Sonne

Kritiken zur 1. Auflage

"Ein ungewöhnliches, reizvolles Buch über die Emotionen: die Elexiere des Lebens ist von Rost geschrieben worden. Rost bemüht sich nicht nur, umfassend über die Emotionspsychologie zu informieren, sondern er benutz die Emotionen als Perspektive für die ganze Psychologie. Deshalb sind zum Beispiel Sexualität und Psychotherapie Themen dieses Buches - sie werden aus einer emotionalen Sichtweise betrachtet."

Philip G. Zimbardo, Psychologie, Springer-Verlag

 


"Bücher können, wie jeder weiß, Gefühle auslösen. Das Spektrum reicht von atemloser Begeisterung bis zu gähnender Langeweile, und schon manches Buch ist mit Karacho in einer Ecke gelandet, weil es seinen Leser allzusehr ärgerte. Allerdings gilt Bücher-in-die-Ecke-schmeißen als unzivilisiert, und das nicht ganz zu Unrecht. Denn der Ärger, der so eine heftige Reaktion auslöst, entsteht, wie alle Emotionen, im limbischen System des Gehirns. Und das ist stammesgeschichtlich sehr viel älter als jener andere Teil des Gehirns, der die Stimme der Vernunft und der Zivilisation beherbergt, die da sagt: Das tut man nicht!" Das Buch Emotionen. Elixiere des Lebens des Marburger Psychologen und praktizierenden Therapeuten Wolfgang Rost wird vermutlich nicht so schnell in einer Ecke landen.

Dazu ist es schon äußerlich denkbar ungeeignet. Es ist nämlich 22 mal 25.5 cm groß, 2,5 cm dick und wiegt 1.3 kg. Bevor ein so gewichtiger Schmöker in die Ecke fliegt, muß sich schon eine ganze Menge Ärger ansammeln. Und, um es gleich zu sagen, es gibt wenig Anlaß zum Ärger bei diesem profunden Werk, und wenn,, dann allenfalls über Äußerlichkeiten. So kann man sich gewiß über das glänzende Papier ärgern, auf dem das Licht der Schreibtischlampe immer so unangenehme, störende Reflexe macht. Was mag die Emotionsforschung wohl zuj Phänomen des Ärgers sagen? Ein Blick ins Register sollte weiterhelfen, schließlich verzeichnet es, grob geschätzt, an die 1300 Stichwörter, von abartige Abartigkeiten bis Zwist. Doch welch eine Überraschung: Arbeitstherapie - Arbeitswelt - Aromen - Arschgeige. Nichts von Ärger. Aber halt, es geht weiter: Artefakt - Ärgerbereitschaft - Ärgermethoden - Ärgern. Voller Verwunderung über die unorthodoxe Sortierung der Buchstaben schlägt man eine der angegebenen Seiten auf und wird von neuem überrascht: statt wissenschaftlicher Aufklärung über den Ärger findet sich ein Kapitel über die diversen Methoden, Lehrer, Vorgesetzte, Freunde oder auch gänzlich Unbekannte zu ärgern. Und vor lauter Vergnügen vergißt man Verwunderung, Ärger und störende Reflexe.

Wolfgang Rost ist mit seinem Buch die Quadratur des Kreises gelungen: er hat ein wissenschaftliches Werk verfaßt, das zugleich seriös, dh. wissenschaftlich fundiert und außerdem noch höchst lustvoll zu lesen ist. Das liegt nicht nur daran, daß das Buch vollgestopft ist mit Zitaten und Randbemerkungen des Autors, mit hunderten von Bildern und Grafiken.. Weil seine Mutterwissenschaft, die Psychologie, die Emotionsforschung lange Zeit vergessen oder verdrängt hat, wildert Rost ohne Scheu, aber mit viel Gewinn in fremden Revieren. Biologie, Anthropologie und Verhaltensforschung tragen eben mehr zum Verständnis der Elixiere des Lebens bei als empirisch-psychologische Erbsenzählerei. Vor allem aber hat Rost den Mut, Inhalt und Form des Buches zur Deckung zu bringen. "Wie sollte ein Buch über Emotionen anders geschrieben werden als emotional?" fragt er in der Einleitung und fährt fort: "Dazu kommt, daß mich das vornehm-wissenschaftliche Getue, ehrlich gesagt, manchmal ankotzt."

Nein, Wolfgang Rost hat weder Scheu zu schimpfen noch zu loben, was er für gut hält, einschließlich sich selbst. Daß die Emotionalität des Autors aber nicht auf Kosten der wissenschaftlichen Substanz geht - dafür bürgt schon der Name des Verlages, in dem das Werk erschienen ist: Springer ist der Inbegriff wissenschaftlicher Seriosität. - Rosts Buch ist eine Art Enzyklopädie der Emotionen geworden. Aber Vorsicht:: das Buch ist gefährlich. Ob man etwas über die sozialen Bindungsgefühle, über sexuelle Lust, Wut oder Ärger erfahren möchte, ob man sich für Aggressionen, Selbstbewußtsein, Rivalitäten oder Scham und Schuld informieren will oder sich eher für Angst, Trauer, Sinnesfreude oder Neugier interssiert - es kann leicht passieren, daß man sich festliest und vom Hundertsten ins Tausendste kommt. Und am Ende ist man womöglich doch wieder ein bißchen verärgert: weil man eigentlich etwas ganz anderes tun wollte."

Andreas Eisenhart, Sender Freies Berlin.


Kaffeerahmdeckel  "In unschuldigem Weiß kommt er daher, der Rost: wie Elsa von Brabant. Aber am Format, das einen auf die Fährte "Bild-/Photoband" leitet, erkennt man bereits: das ist gar kein richtiges Lehrbuch, das tut nur so. Da geht's dann, fürwahr, nicht so ganz gesittet und geordnet zu: da wird gebechert und gegröhlt, da wird gezecht und gelacht und zuweilen sogar ein bißchen animiert; und wer mitkommt, ist gehalten, seine Contenance, Coolness und Altklugheit an der Garderobe abzugeben. Wie das? In einem wissenschaftlichen Werk hard-core-Abbildungen? Und Auszüge aus Gazetten.? Und Witze? Und Leserbriefe? Und Anleitungen zum Auslegen von Köderfischen sowie zum Basteln von Fallschirmen? Und Photographien der Familie des Autors ? Und Faksimiles von Buchcovern wie in einem Katalog der Frankfurter Buchmesse? Und Cartoons ? Und richtige Musiknoten? Und Gedichte? Und Kondomreklamen? Und Klamauk-Tests? Und Stadtpläne? Und Theaterprogrammzettel? Und Einschlafregeln?

Halt - nein, einschlafen werden Sie ganz gewiß nicht: bei diesem bacchantischen Feuerwerk. Hier griff einer voll in's Gedärm und schürfte die halbe Welt und den ganzen (köstlichen und kläglichen) Menschen zutage. Ich versichere hoch und heilig, daß ich es dem Autor von ganzem Herzen neide und mißgönne, einen Bestseller geschrieben zu haben (sozusagen den Eco der Psychologie-Lehrbücher), den ich genau so, wie er ihn geschrieben und gestaltet hat, gerne selber geschrieben hätte. Gehen Sie hin, hören Sie auf, Rezensionen zu lesen, holen Sie sich ein Exemplar, solange das Buch noch nicht als Raubdruck unter dem Ladentisch gehandelt wird: die schlimmsten, tollsten, dreistesten, unerhörtesten und frechsten Sachen, die drinstehen, habe ich Ihnen verschwiegen! Aber passen Sie auf, daß Sie beim Umblättern nichts versehentlich herausreißen: die Seiten sind dünn wie Bibelpapier; sie werden Ihre Tränen, Ihre Ausrufe- und Fragezeichen, Ihre Zeigefingerverfolgungsjagd kaum aushalten"

Dr. Hans-Martin Zöllner, Psychoscope Schweiz.


Frankfurter Rundschau  "Wolfgang Rost guckt auf die Armbaduhr. Tja, die Zeit, die Zeit: Über die Balz- und Flirtspiele der Menschen könne er nun nichts mehr erzählen. Auch das Kapitel über die Know-how und den Umgang mit Seitensprüngen müsse ausfallen. Gerne hätte er auch noch was über seine sexualtherapeutische Mthode, Erektionsschwierigkeiten Paroli zu bieten, berichtet. Eine Zuhörerin ist darob sichtlich und hörbar enttäuscht. "Das wäre doch mal nett gewesen", mault sie den Marburger Psychologen und Psychotherapeuten an, "besser jedenfalls als diese ganzen Sachen mit der Angst".

Ob Panikanfälle, Flugangst oder Impotenzprobleme - für den Unidozenten und Ghostwriter diverser Jürgen-von-der-Lippe-Fernsehshows gehört das zusammen. Es sind - so auch der Titel seines neuesten Buches - Emotionen - Elixiere des Lebens. Aus dem umfänglichen Gefühle-Opus las Rost in den Räumen der Deutsch-Ibero-Amerikanischen-Gesellschaft. Zuhörer waren Fachkollegen. Das mag dann auch die Auswahl der Texte und den streckenweise doch recht akademischen Stil bestimmt haben. So ging es um spezielle Angsttherapien, um die Problematik sozialer Bindungsgefühle, die Komplexität von Aggressionsäußerungen. Rost referierte wie im Seminar am Pult mit Zeigestock und Dias, wurde hastig und holprig, wenn er Buchpassagen vorlas. Der Mann könnte auch anders. In Emotionen jedenfalls tarnt sich Rost als polemisches Enfant terrible der Psycho-Zunft, der heftigst den Erbenszählern in der Disziplin die Leviten liest und sich bei den Nestbeschmutzern und denen einreiht, die durrchaus auch mal der anderen Krähe ein Auge auskratzen. Der eigenen Wissenschaft wirft der streitbare Psychologe vor, daß sie nur wenig Belangloses zu einem Essential menschlicher Existenz szu sagen habe: den Emotionen eben.

In dem beim höchstseriösen Springer-Wissenschaftsverlag erschienenen Text bedient sich der Autor denn auch erklärtermaßen einer emotionalen Schreibe. Herausgekommen ist dabei ein vergnügliche Lehrbuch, das sich spannend liest und die von den Seelenkundlern in der Regel verschmähten und gering geschätzten Befunde der Humanethnologie, Biologie und Soziobiologie zum Thema mit einbezieht. Was da für 48 Mark geboten wird, ist mit 525 Illustrationen benutzerfreundlich aufgemacht. Die Chancen stehen von daher nicht schlecht, daß Rost wie mit seinem Erstling ("die Gefühle") einen Psycho-Bestseller landet. Das Fachpublikum in Frankfurt jedenfalls, wo er seine Lesereise durch die Republik startete, zeigte sich angetan von der populärwissenschaftlichen, munteren Art, da hierzulande sonst nur akademisch-trocken präsentierte Thema aufzuarbeiten. "Wenn's das doch nur beim Studium geben würde", seufzte eine Diplom-Psychologin, der es in der Rückschau immer noch vorm Emotionen-Pflichtseminar im Fachbereich grauste, "da würde ich ja glatt nochmal in die Uni gehen."

Peter Holle, Frankfurter Rundschau.


Kassenpsychologen  "Goethes Gedicht Der Rezensent (1774) endet mit den Zeilen. "Schlagt ihn tot, den Hund. Es ist ein Rezensent." Was soll's! Ich wage es trotzdem. Neben der allseits bekannten Definition und Wahrnehmung von ROST als rötlich-braune Schicht von FeO, Fe2O2 und H2O, die in feuchter Luft oder sauerstoffhaltigem Wasser auf Eisen entsteht, ist der Begriff auch als gitterförmiger Boden oder Grundlage zur Aufnahme fester Bestandteile zum Zwecke der Warmhaltung, Erhitzung oder Verbrennung derselben bekannt. Der Autor gleichlautenden Namens bleibt in seinem neuesten Werk Emotionen in geradezu frappanter Weise dieser letztgenannten Wortbedeutung treu, indem er der schier unüberschaubaren Flut emotions- und gefühlsduseliger Literaturlaborate nicht etwa ein weiteres, leicht brennbares Papiererzeugnis hinzufügt, sondern - in vollendeter Analogie zur Interpretation seines Anthroponyms - eine wahrlich <gitterförmige Grundlage> schuf, auf der die aufgeblähte Vielfalt psychologischer Theorien und Weisheiten, Techniken und Strategien, gebunden in Hand- und Lehrbücher, Ratgeber und Therapiemanuale - mit dem nötigen Feuer darunter, ihrer endgültigen Vernichtung zugeführt wird. Dieser ROST erlaubt rückstandslose, umweltfreundliche Entsorgung psychologischen Literaturmülls, wobei er auf's Trefflichste jenes hedonistisch-pyromane Feuerwerk entfacht, welches uns schon als Kinder mit großen Augen himmelwärts schauen ließ und gewöhnlich mit Einvokaläußrungen (A,O) begleitet wurde. Ich habe das Buch mit just der Begeisterung und Leidenschaft verschlungen, wie mir da vor einigen Jahren nur noch bei Suskind's <Parfüm> und in noch viel früheren Jahren beim Durchblättern eines amerikanischen <Playboy>-Heftes (ein generöses Geschenk eines Besatzungssoldaten meiner Heimatstadt!) in Erinnerung ist. Verbrennen Sie also ihre Bücherwände samt Inhalt, legen sie das Händel'sche Feuerwerk auf ihren Plattenrost, drehen sie den Lautstärkeregler des Verstärkers auf Anschlag und geben Sie sich im flackernden Widerschein der Flammen diesen <Emotionen> einfach hin. Ein Werk, welches sicherlich in der allernächsten Zeit nicht nur auf dem Fachbuchmarkt als Bestseller gehandelt, besprochen, zerrissen und als Kultbuch bejubelt wird. Bis die Feuerwehr eintrifft, haben Sie das 512-seitige Exemplar sowieso längst durch ...."

Dr. Hans Bräuniger, Mitteilungen der Vereinigung der Kassenpsychologen.


Frankfurter Allgemeine  "Kaffekränzchen am Lagerfeuer. Lust und Unlust: Wolfgang Rosts Hausbuch der Emotionen heilt Gefühlsblindheit. Zum klassischen Grübelinventar der mitteleuropäischen Pubertät gehört immer noch die Frage, ob denn Vernunft und Gefühl je unter einen Hut zu bringen seien. Wie es dann weitergeht, weiß jeder aus Erfahrung. Die Gefühle werden Privatsache und gehen in den Untergrund, dem Verstand obliegt die Regierung der Welt und unseres Alltags. Auch wer sich für eine Sache engagiert, ist gehalten, rantional zu argumentieren und den Affekt, der ihn antreibt, scharf zu kontrollieren. Wer außerhalb therapeutischer Veranstaltungen anfängt zu schreien, ruiniert das Diskussionsklima und setzt sich selbst samt der Sache, die er zu vertreten meint, ins Unrecht.

Ausgenommen von der zivilisierten Spaltung in öffentliche Vernunft und privaten Affekt blieben noch lang nur zwei Angelegenheiten von allgemeinem Interesse: die Liebe und der Krieg. Kriegsbegeisterung als emotionaler Machtkämpfe konnte zuletzt 1914 beobachtet werden. Daß sie seither verschwunden ist, hat wohl nicht so viel, wie man wünschen möchte, mit der Kultivierung weniger barbarischer Konfliktstrategien, geschweige denn einer Zunahme der menschlichen Friedfertigkeit und des grundsätzlichen Pazifismus zu tun, als mit der totalen Frustration menschlich-männlichen Dominanzstrebens durch Waffensysteme, die von Experten, nicht von Kämpfern bedient werden müssen. Das Auto und die Sportschau liefern da ununterbrochen und täglich mehr Befriedigungen als der Krieg. Außerdem ist der Krieg geschlechtsneutral geworden - und auch das hat zu einer Desillusionierung beigetragen. Im Golfkrieg befanden sich Tausende amerikanischer Soldatinnen im Einsatz. Darunter waren nicht bloß Ärzte, Schwestern oder Funker und Computerspezialisten, sonder auch weibliche Bomberpilotinnen - ein anthropologisches Datum von höchster Bedeutung.

Mit der Liebe hat nicht die Technik, sondern die emamzipierte Frau und in ihrem Gefolge ein Heer von Eheratgebern und Beziehungstherapeuten aufgeräumt, und von Niklas Luhmann bis hin zum Ehepaar Beck lehrt die Soziologie, daß ein Affektsturm wie die Verliebtheit allenfalls die Auslöser von etwa sein kann, das dann in harter und disziplinierter Arbeit in befriedigenden Partnerschaften, Ehen und Familien zu leben ist. Mehr als bisher müssen Männer ihren Teil an dieser Arbeit, von der sie bisher bloß profitiert haben, auch selbst übernehmen, verlangt der Reformflügel der Feministinnen. Die Vereinigung der kulturellen Wahrnehmung auf jene große Affekte, die auf der bedrohlichen Triebnatur des Menschen aufsitzen und gerade deshalb in endlosen Palavern zerhäckselt werden müssen, ist trostlos und lebensfremd. Längst haben in dieser Palavern Religion und Moral die Redeführung verloren und an die Psychologie abgegeben. Keine Schulrichtung, die heute nicht elementare Körper- und Gefühlserfahrungen zur Rettung des wahren Selbst mobilisiert, den Klienten dann aber doch bloß wieder als einen entläßt, der über sich Bescheid weiß und sich mehr oder weniger laut zu seiner Wut und Trauer bekennt, so gut wie nie dagegen zu seiner Spott- und Rachsucht, zu Feindschaft und Neid. Gefühle, die man nicht dienstverpflichten kann, werden in Sprache nur transformiert, um als Sozialisationsschaden, als falsches Gefühl kritisierbar gemacht zu werden. Was sich in der Biographie des Individuums resignativ erledigt, passiert auch in komplexeren Systemen. Gefühle sind dazu da, um verarbeitet und damit zum Verschwinden gebracht zu werden. Für alle, die mit diesem Zustand, sei es aus persönlichen oder höheren theoretischen Gründen, unzufrieden sind, hat der Psychologe und praktizierende Emotionstherapeut Wolfgang Rost ein dickes Werk mehr zusammengestellt als geschrieben, das es verdiente, als Hausbuch irgendwo in der Reihe zwischen Duden, Koch-, Back- und Gartenbüchern seinen Platz zu finden. Als Hausbuch empfiehlt es sich einmal durch seine reiche Illustration mit Fotos - auch einige pornographische sind dabei -, Cartoons, Tabellen und Kurven unterschiedlichster Art.

Ein aufwendiges Layout erlaubt Mehrspaltigkeit, Kleindruck, Großdruck und die Einfärbung besonders wesentlicher Ausführungen, ganz nach dem Gusto des Autors. Es gibt ein langes Literaturverzeichnis und einen Index, der auf die Alexithymie (Gefühlsblindheit) die Winterdepression und das Yohimbin (Aphrodisiakum mit der Formel C21 H28 O4 N2), aber auch auf Zoff und Bestattungsriten verweist. Vermißt habe ich das Putzsprechen, eine sprachliche Bindungspraxis, die Menschenaffen auf ihre Art beim wechselseitigen Flöhen pflegen und die bei uns zum Austausch von Wetterkommentaren oder rein rhetorischen Erkundigungen führt. Als Hausbuch muß das Buch auch gelten, weil es Leser unterschiedlicher Vorbildung und verschiedener Altersstufen anzusprechen vermag. Die Auseinandersetzung mit dem Behaviorismus oder dem kognitiven Vorurrteil der allermeisten psychologischen Schulrichtungen mag jene Leser nicht interessieren, die eine Anleitung zum Flirten gerade besser gebrauchen können oder umgekehrt. Es ist ein gescheites Verfahren, exemplarisch schlechte oder besonders empfehlenswerte Buchtitel mit Kommentaren oder Zitaten versehen in einer Randkolumne abzubilden, statt sie bloß in einem trockenen Literaturverzeichnis aufzulisten. Ein Hausbuch lebt ein wenig ja auch von der Illusion, zwischen zwei Umschlagdeckeln das ganze Leben gemütlich verkleinert und handhabbar zu halten.

Fast wäre es einfacher, die Dinge zu nennen, die Rost nicht mit den Gefühlen als den Elixieren des Lebens zusammenbringt, als jene auch nur anzudeuten, wo ihm der Zusammenhang zwingend scheint. Wer erwartet in einem Buch über Emotionen Hinweise zur Jägerprüfung? Als roter Faden zieht sich durch das ganze Buch die Mahnung, über der frischen Erwerbung disponibler Rationalität im Neocortex das viel ältere stammesgeschichtliche Erbe nicht zu vergessen, das uns zu Glück und Wohlbefinden andere Reaktionen und Gefühlsabläufe hinterlassen hat, als wir heute um den Preis erheblichen Unbehagens wahrhaben wollen. Alle Bewußtseinsprozesse haben Gefühle zur Grundlage, und ohne das Erlebnis von Lusst und Unlust, zitiert Rost Dieter E. Zimmer, wären wir geistig tot.

Um auf die Jägerprüfung zurückzukommen: Auch heute noch empfiehlt ihre biophysische Ausstattung den Männern die Jagd als kollektives Ritual von Aggression und Solidarität, den Frauen das Kaffeekränzchen ums Lagerfeuer. Braucht es aber zur Rechtfertigung der ganzen Breite menschlicher Emotionen der Rückführung auf die Verhaltensforschung, die, von Konrad Lorenz angefangen, ihre Ergebnisse immer alzu schnittig in den Dienst konservativer Familien- und Sozialpolitik zu stellen wußte? Wenn die kritisierte Psychologie ein kognitives Vorurteil pflegt, dann die Verhaltensforschung den ebenso bedenklichen Tick, alles, was sie sieht, aufs Althergebrachte zu reduzieren. Warum sollte ich den Zählmanövern von Eibl-Eibesfeldt bei irgendeinem Stamm mehr trauen als den lebensfernen, minimalistischen Arrangements des Behavioristen im Labor? Dieser Einwand betrifft nur die Konstruktion von Rosts Buch, nicht die Botschaft, die den Gefühlshaushalt des Lesers so überaus angenehm erfrischt und belegt. Das liegt wohl weniger am emotionalen Stil des Verfassers, der mit seiner persönlichen Person keineswegs Versteck spielt, sondern an der Materie selbst. Offenbar gilt von allen Emotionen, was man im Hinblick auf die Liebe schon lange weiß: Nur wer über sie gelesen hat, kann sie erkennen, erleben und auskosten."

Katharina Rutschky, FAZ.


"In unkonventioneller Weise und dabei gut ansprechend wird ein Buch angeboten, das versucht, die Gefühle als Elixiere des Lebens dem Leser zugänglich, verständlich und annehmbar werden zu lassen; ein lobenswertes und ausgesprochen schwieriges Unterfangen. Wie ein roter Faden werden vom Autor gurchgängig drei Aspekte wiederkehrend angeschnitten und auch heroisch durchgehalten: die wissenschaftliche Basis der Verhaltensbiologie, die kontinuierliche Berufung auf Literaturquellen bei D, Zimmer, Eibl-Eibesfeldt und K. Lorenz, die Favorisierung emotionaler Zustände und Prozesse für die menschliche Lebenstätigkeit - ein logischer Zusammenhang zur derart konzipierten Darstellung des Themas. Mitunter bissig wirkende Seitenhiebe gleichermaßen paritätisch verteilt gegen die gelehrte akademische Psychologie als auch die Psychoanalyse im Umgang mit dem Generalthema Emotionen sind nicht zu überlesen, hinterlassen den Eindruck eines kräftigen Bedürfnisses des Autors nach Eigenständigkeit und Abgrenzung.

Die Themen Paarung und Aktivität finden mit je 32 seiten den größten Anteil unter den 25 Kapiteln (Einleitung, Vita, Bildnachweis, Literaturverzeichnis, Sachwortregister zusätzlich vorliegend). Für den ärztlichen Leser sind die Ausflüge in die Klinik und medizinische Psychothysiologie wenig ergiebig, andere Themen wie Angst, Trauer, systemische Vorstellungen der Kommunikation und des Verhaltens neugierig machend und anregend. Die akribische Darstellung des Generalthemas Gefühle, originell durch eine Flut von Zeitungsausschnitten, längeren Literaturpassagen, Karikaturen u.a. drapiert und ergänzt, zeugen von profundem Literatur- und Quellenstudium und harter Arbeit. Der systemische Ansatz findet unübersehbar grenzen in der Aufzählung bekannter moderner Zivilisationsschäden in den Industrieländern, ohne den Zusammenhang gesellschaftlich-ökonomischer Vorgänge und Bedingungen für die zu recht beklagten Hemmungen und Verzerrungen emotioneller Prozesse im Individuum, Gruppen und sozialen Gemeinschaften zu präzisieren und transparent zu machen.

Dem ärztlichen Leser bietet sich eine wahre Fundgrube zum großen Thema Gefühle, fehlte es doch mehr oder weniger in der ärztlichen Aus-, Weiter- und Fortbildung, schon daher ist das Buch mit seinen mehr als 500 Seiten zu empfehlen, trotz derzeitig drängender Beschäftigung mit Medizintechnik, Praxisgründung-Wirtschaftlichkeit-Management-Sozialgesetzgebung-kassenärtzlicher Abrechnungspraxis. Der Rezensent hegt jedoch Zweifel, daß dieser Empfehlung großes Gehör geschenkt wird."

Dr. Sigmar Scheerer, Zeitschrift für ärztliche Fortbildung.


Boersenblatt  "Geheimrezepte für erfolgreiches Flirten. Es geht hier um die Psyche des Menschen, speziell um seine Emotionen, also um unser Verhalten, um unsere Reaktionen, unser Gefühlsleben. Mit diesem Buch wird nicht doziert, sondern es wird dem Leser auf verständliche und amüsante Art erklärt, wie er besser mit seinen Mitmenschen zurechtkommt. Dazu gehören <Geheimrezepte> erfolgreichen Flirtens, Vorschläge zum Versöhnen nach dem Zanken sowie Anregungen, sich zu behaupten, und viele andere nützliche Tips des Menschenkenners Wolfgang Rost. Alle Tips basieren auf wissenschaftlicher Grundlage. Zahlreiche Zitate und Thesen bekannter Psychologen und Psychotherapeuten sind eingeflochten. Wem kann ein solches Buch zum Erwerb empfohlen werden? Da wären zunächst die Fachleute selbst, also die Psychologen und Psychotherapeuten. Wenn sie selbständig sind und Praxen besitzen, lassen sich ihre Adressen den Gelben Seiten des Branchentelefonbuchs entnehmen. Aber auch allen Vertretern von Berufsgruppen, die im sozialen Bereich tätig sind, oder Lehrern kann dieses Werk offeriert werden. Nicht zu vergessen die interessierten Laien."

Jürgen Bruhn, Börsenblatt des Deutschen Buchhandels.


---  "Ein toll-dreistes Buch, das Emotionen weckt! Der durchlaufende Text ist ständig mit Randspalten-Kommentaren,-Comics, -Bildern, -Zitaten, - Buchhinweisen und -Bewertungen ("forget it") usw. versehen, die an die Gefùhlswelt appellieren. Sie machen aus dem Buch ein Sammelwerk von Zetteln und optischen Signalen, das seinesgleichen sucht. Dem entspricht die äußere Gestaltung in Form des Fortmats: 22 X 25,5 cm (6 cm Randspalte), das bunte, abwaschbare Cover mit der Scheinharmonie bunter Linien auf weißem, unschuldigem Grund als Kontrast zur bissig-ironischen, !ustig-lasziven, respektlos-ehrlichen, akademischen und atavistischen Wortwahl im Inneren. Da schreibt ein Prakitiker ohne Angst vor Theorie und Fachautoritäten. Praxisrelevante Theoriediskussion und Theoriereflektion der Praxis sind die Pole des Spannungsfeld, da im allgemeinen viel zu wenig literarisch genutzt wird. Dabei kann sich der Phallus des Praktikers (Seite 80) durchaus sehen lassen; das Hypothesen-Ejakulat wird die Wissenschaftler eine Zeitlang beschäftigen können. Genial oder verrückt? Eine Frage, die der Autor selbst stellt, mit der er keine Probleme hat. Das Thema ist nicht unbescheiden und angesichts der sich angekündigten "emotionalen Wende" von höchster Bedeutung. Rost versteht Emotionen als Reaktionen, die vor allem dann auftreten, wenn Verhaltensunsicherheit aufgrund der Möglichkeit mehrerer Verhaltensalternativen (u.a. solchen "verbotener Art") gegeben ist. Emotionen haben Antriebs-, Richtungs- und (Gegen-)Regulations-Potenz. Entsprechend entfällt die Unterscheidung nach Gefühlen, Strebungen, Emotionen, Motiven, Fühlen und Wollen - Aspekte des Antriebsgeschehens, die angeblich nicht voneinander trennbar sind. Ob man diesem weitgehenden Schluß folgen muß, weiß ich nicht. Ich stimme mit der psychobiologischen Basis des Autors zwar überein, und auch seiner Skepsis den rein kognitiven Erklärungen gegenüber bei (und damit der Notwendigkeit einer emotionalen Wende zu), möchte andererseits Bedürfnisse, Affekte bzw. Emotionen, begleitendee Aktivierung und Bewältigungsstrategien als eigenständige Variablen eines komplexes Zusammenspiels sehen. Einige weitere Hypothesen des Autors: - Kognitionen sind nicht Ursache für Emotionen (z.B. Depressionen), sondern lediglich (konditionierte) Reaktionen auf eine unkonditionierte Situation biopsychologischer Relevanz. So wie der Glockenton bei Pavlov eines CS ist, während die UCS als Hunger (bzw. Nahrungsbedürfnis) und Anblick der Nahrung definiert ists. Kognitionen haben lediglich verstärkenden oder hemmenden Einfluß auf Emotionen. -Schachter und Singer's Experiment zur kognitiven Interpretation von Erregung ist kein Beleg für die kognitive Herleitung von Emotionen; die Emotionen werden tatsächlich aktiviert und erlebt, dies umso leichter, je erregter der Organismus ist (Verstärkungsfunktion der Erregung). -Panik entsteht, wenn ein virulenter (Annäherungs-Vermeidungs-) Konflikt im Zustand subjektiver Monotonie positive Gedankentätigkeit, die sonst abläuft, blockiert und Leere sowie Ausweglosigkeit erleben läßt. -Komplexe Phobien werden auch ohne Flucht- und Meidungsverhalten aufrechterhalten; ein sekundärer Krankheitsgewinn ist in den meisten Fällen eine unsinnige Annahme. Ebenso gewichtig und ausführlich wie die theoretischen Erörterungen des Autors fallen seine Ausführungen zur Therapie aus. Im Prinzip lautet die Empfehlung: mehr Emotionen zeigen; es gibt genug davon: Bindungsemotionen, Werbung des Partners, Sexualität, Aggressivität (reaktiv oder spontan), Rivalität, Selbstbehauptung, Scham, Angst, Trauer, Sinnesfreude, Körpergefühle, Neugier, Entspannung. Natürlich gibt es Entarten (meist als Folge der Unterdrückung von Emotionen), aber zunächst und zuförderst Defizite! Einige Hypohesen zur Therapie: -Densensibilierung und Flooding bedienen sich ein- und desselben Wirkmechanismus, der Vorwegverarbeitung von Angst im Sinne der proaktiven Streßbewältigung von Epstein: "Wir müssen wieder lernen, die Angst zuzulassen. -Bei pathologischer Trauer führt kein Weg daran vorbei, die schmerzhaften Ereignisse nachträglich zu durchleben. 2 potente Trauerkatalysatoren sind Muse und Musik; ebenso Autofahren und Singen und weinen natürlich. -Die orthodoxe Verhaltenstherapie betreibt Unfug, wenn sie bei nächtlichem Schreienlassen von Kleinkindern bloß nicht durch Kontakt das Schreien verstärken wil. -Sind bei Meinungsverschiedenheiten Emotionen im Spiel, so sind die jeweiligen limbischen Systeme gefordert, ein Streitraining ist angesagt; es folgt zum Teil dem Kommunikationstraining diametral entgegengesetzten Regeln. Die Hypothesenlisten bzw. die Empfehlungen ließen sich mühelos fortführen; Mangel an Phantasie kann dem Autor nicht vorgeworfen werden; ebensowenig mangelnde Konsequenz in der Orientierung am psychologischen Modell, einschließlich seiner normativen Implikationen. Das Buch liefert eine Vielzahl von theoretischen und praktischen Anregungen und das - wohl weil der Autor dem Verlag viel redaktionelle Arbeit mit seinen eigenen Computern abgenommen hat - zu einem vernünftigen Preis. Ein Buch zum Schmökern, zum Lernen, zum Widersprechen, zum Empören, zum Lachen, zum Heulen, zum Verschenken - ein unmögliches Buch!!!"

Dietmar Juli, Praxis der Klinischen Verhaltensmedizin und Rehabilitation